So reisen Sie mit Ihrem Hund im Zug

Informieren Sie sich vor der Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln, ob Hunde überhaupt mitgenommen werden dürfen und wie viel ein Ticket für ihn kostet. Verlassen Sie sich bei der Recherche nicht auf irgendwelche beliebigen Internetseiten, sondern vergewissern Sie sich direkt auf den Seiten der jeweiligen Bahngesellschaft. Nur hier können Sie sicher sein, die korrekten und aktuellen Informationen zu finden. Planen Sie auch genügend Vorlauf für den Kauf der Tickets am Schalter ein. Bei dieser Gelegenheit können Sie sich auch noch über spezielle Regelungen vor Ort informieren.

Bei der Deutschen Bahn (DB) dürfen kleinere Hunde bis zur Größe einer Hauskatze umsonst als Handgepäck in einer Transportbox mitgeführt werden. Für größere Hunde ist hingegen der halbe Fahrpreis zu bezahlen. Beachten Sie, dass größere Vierbeiner im Zug nur mit Maulkorb und an der Leine mitfahren dürfen. Falls Sie sich daran nicht halten, kann ein Zug-Verweis drohen.

Wenn Sie mit der Deutschen Bahn in andere Länder reisen, müssen Sie außerdem die in diesen Ländern gültigen Bestimmungen beachten. Während in Österreich und der Schweiz ähnliche Regelungen wie in Deutschland gelten, dürfen in Italien beispielsweise größere Hunde überhaupt nicht im Zug mitreisen. Auch bei Nachtzügen gibt es Sonderregelungen: Bei der DB dürfen Hunde nur mitgenommen werden, wenn ein Abteil zur alleinigen Nutzung gebucht wird. Bei manchen anderen Bahngesellschaften ist die Mitnahme von Haustieren an Bord generell nicht gestattet. Hierzu gehört zum Beispiel der Eurostar.

Begleithunde, beispielsweise Blindenführhunde, sind meistens vom Fahrpreis und vom Maulkorbzwang befreit und dürfen in der Regel bei allen Gesellschaften mitgeführt werden.

Vorbereitung

Grundsätzlich gilt: Weniger ist mehr. Planen Sie für die Vorbereitung Ihrer Zugfahrt genügend Zeit ein, um Ihren Hund Schritt für Schritt mit dem Reisen in Bus und Bahn vertraut zu machen. Gehen Sie vor der Fahrt mit Ihrem Hund ein paar Mal zum Bahnhof, am besten unter der Woche. Achten Sie darauf, dass Sie bei den ersten Ausflügen die Rush-Hour vermeiden. Im zweiten Schritt fahren Sie immer wieder kurze Strecken mit öffentlichen Verkehrsmitten, auch mit der U-Bahn, um den Hund an das Fahren im Tunnel zu gewöhnen. Achten Sie darauf, dem Hund das Gefühl zu geben, dass solche Fahrten völlig normal sind und bestärken Sie ihn während der Fahrt positiv mit Leckerlis. Ihr Hund wird diese Orte nach und nach als angenehm empfinden und freudig dort hingehen.

Überfordern Sie Ihren Hund nicht und üben Sie keinen Zwang auf ihn aus. Für die erste Trainingseinheit kann es schon ausreichen, an der Bushaltestelle zu warten und den Bus halten und wieder abfahren zu sehen. Fahren Sie am Anfang nur eine Station oder kurze Strecken und bauen das Training über die nächsten Wochen langsam aus. Falls Ihr Hund Stress-Symptome (starkes Hecheln, schweißige Pfoten, Unruhe, Urinieren/Koten, Zittern, Speicheln, übertriebene Lautäußerung oder ähnliches) zeigen sollte, beenden Sie die Übung und nehmen Sie Ihren Hund aus der Situation heraus. In diesem Fall müssen Sie langsamer vorgehen, um den Hund an das Bahnfahren zu gewöhnen.

Expertenrat von Rita Kampmann

Eines möchten wir Ihnen ganz besonders ans Herz legen: Versuchen Sie, die Welt aus der Perspektive Ihres Hundes zu sehen. Unsere Vierbeiner erleben die Welt anders als wir. Deshalb sollten wir immer versuchen, uns in die Lage des Hundes zu versetzen, ohne ihn dabei zu vermenschlichen.

Mann mit Hund

Kurz vor der Reise

Ermöglichen Sie es Ihrem Hund vor der Reise noch einmal, sich ausgiebig zu bewegen. Machen Sie einen langen Spaziergang, joggen Sie eine Runde oder beschäftigen Sie Ihren Hund auf seine liebste Art und Weise. Von Ballspielen ist generell abzuraten, da es den Hund innerlich aufwühlt und der Vierbeiner die nächsten Stunden mit Adrenalin vollgepumpt im Zug sitzen muss. Vergessen Sie nicht, Ihren Hund auch geistig zu fordern. Gehen Sie kurz vor der Abfahrt noch einmal die Checkliste unserer Hundeexperten von „Freude am Hund“ durch, damit Sie auch nichts vergessen. Füttern Sie Ihren Hund kurz vor der Reise nicht mehr und während der Reise nicht übermäßig.

Während der Fahrt

Versuchen Sie einen Ort zu finden, an dem das Tier ein wenig Ruhe haben kann, also zum Beispiel unter dem Sitz oder in einer Ecke. Noch besser: Sie buchen ein geschlossenes Abteil für mehr Freiheit und Ruhe. Lassen Sie Ihren Hund nicht von jedem anfassen, das ist ein zusätzlicher Stressfaktor, und geben Sie Ihrem Liebling einen Gegenstand mit einem bekannten Geruch, beispielsweise seine Decke. Legen Sie ihm auch etwas zum Kauen hin, das beruhigt ihn und baut Stress ab. Achten Sie auch darauf, dass der Kauartikel nicht zu stark riecht. Für den Hund sollte die ganze Fahrt über Wasser zur Verfügung stehen. Passen Sie auf, dass Sie dem Hund Ihr Gepäck nicht vor den Kopf schlagen oder ihm damit über die Füße fahren. Zum Umgang mit Koffern kann Ihnen unser Video mit Hundeexpertin Rita Kampmann helfen.

Pausen

Falls Sie eine längere Fahrt vor sich haben, planen Sie eine ausgedehnte Umsteigezeit ein. Pauschale Zeiten, wann Sie mit Ihrem Hund am besten eine Pause einplanen sollten, lassen sich allerdings nicht angeben. Dazu sind die Tiere zu verschieden.

Ruhe bewahren

Sobald Ihr Hund ruhig an seinem Platz sitzt und einen entspannten Eindruck macht, können Sie ihm gut zureden und ihn bestärken. Während der ganzen Reise ist es aber das Wichtigste, selbst ruhig zu bleiben. Unsere Stimmung überträgt sich schließlich sehr schnell auf den Hund, auch wenn wir die vielen Signale oft gar nicht erkennen, die wir an unseren Hund senden. Je nervöser der Vierbeiner wird, umso ruhiger müssen wir selbst werden. Einmal tief durchatmen und eine gedehnte und leise Stimme wirken hierbei besänftigend.

Unwohlsein oder Angst beim Hund

Falls Ihr Hund sich unwohl fühlt und zum Beispiel knurrt oder schnappt, wechseln Sie den Ort und nehmen Sie ihn aus der Situation heraus. Bieten Sie Ihrem Hund Schutz und managen Sie die Situation für ihn. Ihr Vierbeiner soll wissen, dass er Ihnen vollkommen vertrauen kann. Denken Sie auch hier immer daran, dass sich Ihre Stimmung schnell auf Ihren Liebling überträgt! Sie können Ihrem Hund auch die Hand auflegen, um beruhigend auf ihn einzuwirken, wobei manche Hunde das auf Dauer als unangenehm empfinden. Außerdem können Bachblütenpräparate, Globuli (Cocculus), Beruhigungsweste, Beruhigungshalsband oder etwas zum Kauen helfen.

Falls sich Ihr Hund gegen den Maulkorb wehrt

Gewöhnen Sie Ihren Hund frühzeitig an den Maulkorb. Er soll ihn mit Positivem verbinden, so dass der ungewohnte Gegenstand im Gesicht nicht zusätzlich dazu führt, dass die Reise als unangenehm empfunden wird. Der Maulkorb sollte nicht aus gesundheitlich gefährdenden Materialien bestehen und genügend Spielraum lassen, damit der Hund noch hecheln kann. Daher sind Maulschlaufen eher ungeeignet. Wie man den Hund an den Maulkorb gewöhnt, können Sie sich hier in unserem Video der Hundeschule „Freude am Hund“ ansehen.

Wenn der Hund in den Zug uriniert oder Kot absetzt

Die vielen Leute, der Lärm und das ständige Rütteln kann Stress beim Hund auslösen – und wie bei uns Menschen regt Stress das Ausscheidungsverhalten an. Selbst wenn sich der Hund vor der Fahrt gelöst hat, kann es immer zu einem Missgeschick kommen. Schimpfen Sie dann auf keinen Fall mit Ihrem Hund, denn das würde nur noch mehr Stress erzeugen. Seien Sie sich bewusst, dass er nichts falsch gemacht hat. Greifen Sie in diesem Fall zu Ihrem Notfall-Putzset (Haushaltsrolle, Plastiksäckchen und Raumspray) und entschuldigen Sie sich kurz mit einem entwaffnenden Lächeln bei den Mitreisenden für das kleine Missgeschick.

Nach der Ankunft

Ihr Hund wird nach einer langen Reise voller Energie sein und den Drang haben, sich auf unterschiedlichste Art auszutoben – sei es durch wildes Herumspringen, an der Leine zerren, starkes Bellen, in die Leine beißen oder ähnliches. So etwas kennen wir ja auch von uns: Nach einem langen Arbeitstag, macht die Runde Sport am Abend den Kopf wieder frei. Lassen Sie es daher zu, dass Ihr Hund seinem Bewegungsdrang nachgeben kann und machen Sie einen langen Spaziergang. Achten Sie aber darauf, dass nicht zu viele neue Eindrücke dazu kommen und er sich vor allem auspowert, der Kopf aber entspannen kann. Sobald Sie in Ihrer Unterkunft angekommen sind, geben Sie dem Hund die Möglichkeit, sich auszuruhen und zu schlafen. Die ganzen neuen Erlebnisse müssen jetzt erst einmal verarbeitet werden.

Experten-Meinung von Rita Kampmann

Sollten Sie mit Ihrem Hund mit öffentlichen Verkehrsmitteln reisen wollen, achten Sie darauf, dass Ihr Hund bereits vor der Reise langsam und angenehm an das Bahnfahren und an einen Maulkorb gewöhnt wird. Schützen Sie Ihren Hund vor permanenten Blicken und streichelnden fremden Händen. Schaffen Sie eine schützende, positive Situation und nehmen Sie am Besten etwas Geruchloses zu Kauen mit, denn Kauen beschäftigt und baut Stress ab.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Vierbeinern einen schönen entspannten Urlaub und… kommen Sie gesund wieder!

Frau mit Hund

Die Packliste für das Dog-Bag

Bei einer Reise mit dem Hund hat Ihr Vierbeiner so einiges im Gepäck:

  • Lieblingsdecke und Lieblingsspielzeug
    Denken Sie daran, die Lieblingsdecke und das Lieblingsspielzeug einzupacken, denn bekannte Gegenstände und die daran haftenden Gerüche können in neuen Umgebungen beruhigend auf den Hund wirken und so den Stress reduzieren.
  • Futternapf, Wassernapf, Hundefutter
    Auch ein Futter- und ein Wassernapf sind immer dabei. Ganz wichtig: Wasser sollte dem Hund während der Reise jederzeit zur Verfügung stehen! Ebenso wichtig: Nehmen Sie genug Hundefutter mit. Oft gibt es die gewohnte Futtermarke nicht vor Ort zu kaufen. Und eine Futterumstellung in Kombination mit den vielen neuen Eindrücken kann Ihrem Hund so richtig auf den Magen schlagen.
  • Kauartikel
    Kauen beruhigt das Tier und baut damit Stress ab. Dieses Verhalten kennen wir auch von Menschen, die bei Nervosität anfangen, an ihren Fingernägeln zu nagen. Füllen Sie beispielsweise ein befüllbares Kauspielzeug mit Frischkäse oder Leberwurst und legen Sie es dann ins Gefrierfach. Das Kauspielzeug beschäftigt den Hund für die erste Zeit während der Fahrt.
  • Geschirr, Leine und Maulkorb
    Auch die Leine gehört unbedingt ins Gepäck! Und lassen Sie Ihren Hund bei einer Reise nie ein Halsband tragen! Besonders auf Reisen ist das Geschirr anstelle des Halsbands enorm wichtig. Falls der Hund in Panik gerät, an der Leine zieht und weglaufen möchte, kann das Einschnüren der Luftröhre und der daraus resultierende Sauerstoffmangel die Panik noch erhöhen. In vielen Ländern ist außerdem das Tragen eines Maulkorbs für Hunde in öffentlichen Verkehrsmitteln Pflicht. Gewöhnen Sie also Ihren Hund frühzeitig an das Tragen und führen Sie ihn mit positiver Verstärkung an den Maulkorb heran. Wertvolle Tipps dazu finden Sie in unserem Video zum „Reisen mit Hund im Zug“!
  • Reiseapotheke und Erste-Hilfe-Set
    Vergessen Sie nicht, eine Hunde-Reiseapotheke mit allen wichtigen Medikamenten und ein Erste Hilfe-Set einzupacken, damit Sie auf Krankheiten oder im Notfall schnell reagieren können.
  • Transportbox, Tragetasche, Reisenetz
    Haben Sie daran gedacht, wie Sie Ihren Hund transportieren und gegebenenfalls schützen wollen? Für eine Reise brauchen Sie möglicherweise eine Tragetasche oder eine Transportbox. Vielleicht gefällt Ihrem Hund auch ein Reisenetz.

Checkliste

Was vor der Reise mit dem Zug zu erledigen ist

  • Haben Sie die Einreisebestimmungen überprüft?
  • Sind alle relevanten Beförderungsbestimmungen (auch Fähre) für die Mitnahme Ihres Hundes recherchiert?
  • Ist der EU-Heimtierausweis eingesteckt?
  • Haben Sie die Versicherungsnummer notiert?
  • Hat Ihr Hund alle notwendigen Impfungen für die Reise erhalten?
  • Ist ein Ticket für den Hund (ab einer bestimmten Größe) besorgt?
  • Ein Adressschild mit Kontaktdaten ist am Geschirr des Hundes angebracht?
  • Die Leine und ein Maulkorb sind griffbereit verstaut?
  • Das Notfall-Putzset ist vorbereitet?
  • Ist Ihr Hund auf eine Reise mit öffentlichen Verkehrsmitteln vorbereitet?
  • Haben Sie die Packliste komplett abgearbeitet?
  • Ist Ihr Hund sowohl körperlich als auch geistig ausgelastet?

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