Corona hat das Reiseverhalten verändert

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Die Corona-Krise hat die Reisebranche vor ungeahnte Herausforderungen gestellt: Reisewarnungen, Quarantänemaßnahmen und Virusmutationen haben ein Klima der Unsicherheit geschaffen, von dem sowohl Reisende als auch Gastgeber betroffen sind. Im August 2021 zeigt sich, wie die COVID-19-Krise das Verhalten vieler Urlauber geprägt hat.

Urlaub? Am liebsten in Deutschland

Aufgrund von Reisebeschränkungen haben die Menschen begonnen, ihre eigenen Länder zu erkunden, anstatt ins Ausland zu reisen. Die ohnehin schon hohe Nachfrage nach innerdeutschen Zielen ist weiter gestiegen. „Deutschland ist im August quasi ausgebucht“ erklärt Heike Müller von der Ferienhaus-Suchmaschine Holidu. Die Zahl der Suchen nach Ferienhäusern ist seit Mai um mehr als 500 Prozent zum Vormonat gestiegen. Viele Urlaubswillige ziehen es nun vor, in Deutschland zu bleiben. “Die Suchanfragen für Mallorca und die Kanaren sind deutlich zurückgegangen. Für deutsche Reiseziele sind sie im Juli hingegen noch einmal um 27 Prozent zum Vormonat gestiegen.” Ohnehin beliebte Reiseziele sind ausgebucht: Ostsee, Rügen, Sylt, Nordfriesische Inseln und Ostseeinseln. Kaum besser im Süden Deutschlands: Am Bodensee, am Tegernsee und im Chiemgau sind lediglich vier Prozent der Unterkünfte noch verfügbar. „Wir alle waren seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie die meiste Zeit zuhause. Aber es zeigt sich, dass Menschen nach wie vor verreisen möchten und dies auch tun, sobald dies erlaubt ist und als sicher gilt. Urlaub im Ferienhaus ist für viele Reisende in diesem Sommer besonders attraktiv, denn Social Distancing lässt sich viel einfacher einhalten”, so Heike Müller.

Urlaub in Deutschland

Preise für Ferienhäuser sind gestiegen

Ferienhäuser und Ferienwohnungen sind seit der Coronakrise teurer geworden. Laut Holidu sind die Preise für eine Unterkunft in Deutschland im August um durchschnittlich neun Prozent im Vergleich zum coronafreien Jahr 2019 gestiegen. In einzelnen Regionen sogar um deutlich mehr: Garmisch-Partenkirchen 32 Prozent, Mecklenburgische Seenplatte 20 Prozent und im Harz zwölf Prozent. Moderate Preiserhöhungen gab es am Bodensee (6 %), an der Schwäbischen Alb (4%) und im Bayerischen Wald (2 %). Mit spontanen Preisänderungen ist im Sommer 2021 nicht mehr zu rechnen, erklärt Elisabeth Kröss, DACH-Vertriebsleitung bei Bookiply, einem Software- und Serviceanbieter für Ferienhausvermieter*Innen. “Vermieter passen ihre Preise in der Regel nicht kurzfristig dem Markt an, auch wenn sie davon profitieren könnten.”

Kostenlose Stornierungen

Die wohl wichtigste Veränderung sei der Wunsch nach einer kostenlosen Stornierungsmöglichkeit der Unterkunft, erklärt Heike Müller von der Ferienhaus-Suchmaschine Holidu. “Im Hotelmarkt sind kostenlose Storno-Möglichkeiten schon lange etabliert, im Ferienhausmarkt war das vor Corona eher eine Seltenheit.” Viele Vermieter haben auf das veränderte Reiseverhalten und dem Wunsch nach einer flexiblen Buchung reagiert und bieten ihren Gästen nun die Möglichkeit einer kostenlosen Stornierung. In der Datenauswertung von Holidu zeigt sich deutlich, dass Kunden sich bewusst für eine Unterkunft mit Stornierungsmöglichkeit entscheiden und diese Unterkünfte fünfmal mehr Buchungen generieren. Elisabeth Kröss von dem Vermietungsdienstleister Bookiply ergänzt: „Gastgeber müssen sich um einen Leerstand keine Sorgen machen: Stornierte Unterkünfte werden meist umgehend wieder gebucht.“ Ein Blick auf Buchungs- und Stornodaten bestätigt dies: Über 70 Prozent der Unterkünfte, die für Juli und August reserviert und wieder storniert wurden, sind bereits wieder gebucht worden. In Garmisch-Partenkirchen sind es sogar 97 Prozent der Unterkünfte.
In den Europäischen Urlaubsländern sieht die Situation für flexible Reisende sogar noch besser aus: Portugal, Spanien und Frankreich führen das Feld an. Dort sind rund 60 Prozent der Unterkünfte kostenlos stornierbar. Gut zu wissen: Unterkünfte, die eine kostenlose Stornierung anbieten, sind im Durchschnitt nicht teurer als eine unflexible Unterkunft.

„Mit der gestiegenen Anzahl von Stornierungen werden Ferienunterkünfte kurzfristig immer mal wieder auch an Top-Reisezielen frei”, so Müller. Am besten immer mal wieder schauen und beim Zeitraum möglichst flexibel sein. Wer zudem weiter weg von Strand, See oder Bergen sucht, wird eher fündig.

Last-Minute-Buchungen haben zugenommen

Der Zeitpunkt der Buchung hat sich seit Corona verschoben. „Vor der Pandemie haben die Bundesbürger meist zum Jahresende ihren Sommerurlaub für das kommende Jahr gebucht”, so Heike Müller. Das gebe es jetzt so weniger. „Entweder es gibt Stammgäste oder Frühbücher, die sich etwa schon ein Jahr vorher ihr Wunsch-Domizil sichern. Oder es gibt die Last-Minute-Bucher, die sich erst wenige Wochen oder gar Tage vor der Reise für eine Unterkunft entscheiden.” Das bestätigt auch Elisabeth Kröss von Bookiply: „Der Trend aus dem letzten Jahr zur spontanen Anreise setzt sich im zweiten Corona-Sommer fort. Urlauber suchen und buchen auch 2021 kurzfristiger.” Laut der Datenanalyse beträgt die durchschnittliche Dauer zwischen Buchung und Anreise im ersten Halbjahr 55 Tage. Der Zeitraum hat sich damit zu 2019 um 26 Prozent reduziert (hier wurde durchschnittlich 76 Tage im Voraus gebucht). Seit Corona gebe es sogar zunehmend Last-Second-Buchungen, wenn also Gäste nur einen Tag vor Anreise oder sogar am selben Tag buchen.

Last Minute buchen

Urlaube werden vermehrt online gebucht

Das Online-Geschäft hat einen starken Sprung gemacht. Fast jede zweite Urlaubsreise (49 %) mit mindestens fünf Tagen Dauer wurde nach Angaben des Verbands Internet-Reisevertrieb (VIR) im vergangenen Jahr am PC, Tablet oder Smartphone gebucht. Noch größer ist mit mehr als 80 Prozent der Anteil bei den Kurztrips. 2010 lag der Anteil aller Reisen noch bei 26 Prozent.
Auch bei der Suchmaschine Holidu verzeichnet man deutlich mehr Buchungen als vor der Pandemie. Im Juli 2020 sind die Buchungen um das 2,6-fache gewachsen. In 2021 rechnet das Unternehmen mit einem weiteren Anstieg.

Reisen online buchen

Das eigene Auto oder Mietwagen ist bevorzugtes Verkehrsmittel

Seit Corona bevorzugen die meisten Urlauber die kontaktarme Anreise mit dem eigenen Auto. So ist die Nachfrage nach einen zur Unterkunft zugehöriger Parkplatz gestiegen. Die Ferienhaus-Suchmaschine gibt an, dass Im Vergleich zu 2019 Apartments mit Parkplatz dieses Jahr 40 Prozent häufiger gesucht werden. Im Autoland Deutschland für Urlauber kaum ein Problem: Etwas mehr als 83 Prozent der Ferienwohnungen und -häuser bieten hierzulande ihren Gästen einen eigenen Parkplatz.

Reisen mit dem Auto

Methode: Die Daten wurden am 26.07.2021 aus den Datenbanken von Holidu und Bookiply erhoben. Für die Preisanalyse wurde der Medianpreis von Ferienhäusern und Ferienwohnungen im Zeitraum 07.-14. August 2021 pro Nacht betrachtet. Analysiert wurden zudem das Such-, Buchungs- und Stornierungsverhalten von mehr als 30 Millionen Besuchern auf der Holidu-Website pro Monat. Die Ferienhaus-Suchmaschine Holidu aggregiert mehr als 15 Millionen Ferienhäuser und Ferienwohnungen von über 1.500 Buchungsportalen. Bookiply mit Sitz in München betreut Ferienhausvermieter mit über 8.000 Unterkünften in Europa.
www.holidu.de und www.bookiply.de

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